Landschaftswandel

In den letzten Jahrzehnten hat sich unsere Landschaft in einer nie da gewesenen Geschwindigkeit verändert. In weiten Teilen des Alpenraums wurde die Bewirtschaftung der gut erreichbaren Talflächen intensiviert, gleichzeitig dehnen sich hier Siedlungs- und Verkehrsflächen stark aus. Schwierig zu bewirtschaftende, steile, feuchte oder trockene Flächen vor allem an den Talhängen werden hingegen aufgegeben - der Wald erobert sich diese Flächen zurück. Beide Entwicklungen - Intensivierung wie Nutzungsaufgaben - führen meist zu einer Verarmung der Landschaft.

Wenn hier eine Bergwiese aufgegeben und dort ein Haus gebaut wird, fällt das zunächst nicht besonders auf. Da sich die Landschaft kontinuierlich wandelt, werden Veränderungen oft kaum wahrgenommen. Doch die scheinbar kleinen Veränderungen summieren sich. Erst wenn man alte Bilder aus gleicher Perspektive nachphotographiert, wird das ganze Ausmaß der Veränderungen über mehrere Jahrzehnte sichtbar. Mit Hilfe dieser Bildvergleiche können Sie den Kulturlandschaftswandel seit Ende des 19. Jahrhunderts im Zeitraffer erleben.

Mit dem Projekt "Kulturlandschaftswandel im südlichen Oberallgäu / Tannheimer Tal" wollen wir den Wandel der Landschaft in diesem Raum bewusst machen und die wesentlichen Prozesse aufzeigen, die diesen Wandel beeinflussen. Das Projekt will dazu beitragen, dass zukünftig Steuerungsmöglichkeiten zur Landschaftsentwicklung und zur Erhaltung einer attraktiven Kulturlandschaft in der Region verstärkt genutzt werden. Denn eine attraktive Kulturlandschaft ist Heimat, Lebensraum für vielfältige Tier- und Pflanzenarten und Wirtschaftsgrundlage einer Tourismusregion gleichermaßen.

Bereiche

Die Entwicklungen laufen in den einzelnen Landschaftsbereichen völlig unterschiedlich ab:

Bild: Peter Lausser

Gunstflächen im Talboden:

Hier werden die Nutzungen intensiviert: Siedlungswachstum, Landwirtschaft und Straßenbau konkurrieren um die begrenzten Flächen. Entwässerungsmaßnahmen, Düngung, Maschineneinsatz, Grundzusammenlegung und Fließgewässerbegradigung ermöglichen heute eine maximale landwirtschaftliche Produktion. (Bildvergleich)

 

Bild: Markus Pingold

Talhänge:

Landwirtschaftliche, nicht maschinell zu bewirtschaftende Hangflächen werden zunehmend aufgegeben, oft auch trotz neu gebauter Wirtschaftswege. Über wenige Jahrzehnte erobert sich der Wald hier seinen Raum zurück. (Bildvergleich)

 
 
 

Bild: Kathrin Lacher

Bereich der Alm- bzw. Alpwirtschaft:

Hier sind die Landschaftsveränderungen der letzten Jahrzehnte am geringsten. Aber auch auf den Alpflächen dehnt sich der Wald langsam aus. Mancherorts reichen die kleineren Viehherden und das wenige Alppersonal nicht mehr aus, um die Weideflächen ausreichend zu pflegen. Neue Alpwege sind oft die deutlichsten Veränderungen der Kulturlandschaft in dieser Region. (Bildvergleich)

 

Entwicklungen

Berglandwirtschaft

Wachse oder weiche

In den letzten 30 Jahren musste im südlichen Oberallgäu jeder dritte Landwirt seinen Hof aufgeben, im Tannheimer Tal gar jeder Zweite. Die verbleibenden Betriebe vergrößern sich, indem sie die maschinell zu bewirtschaftenden, gut erreichbaren Flächen der aufgegebenen Betriebe zupachten.

Bild: Julia Wehnert
Bei ungenügender Weidepflege verdrängt der vom Vieh gemiedene Adlerfarn Gräser und Blumen.

Keine Zeit für unproduktive Arbeit

Ein Landwirt bewirtschaftete im südlichen Oberallgäu vor 30 Jahren gut drei Hektar Fläche, 2004 bereits 7,8 Hektar. Dabei wirtschaftet die Mehrheit der Bauern längst im Nebenerwerb. Für arbeitsaufwändige Tätigkeiten bleibt kaum noch Zeit: Wenig ertragreiche oder steile Bergmähder, Streuwiesen oder Magerrasen werden immer häufiger der Natur überlassen und verbuschen. Fachleute schätzen, dass in den letzten 20 Jahren über 15% der landwirtschaftlichen Flächen im südlichen Landkreis Oberallgäu aufgegeben wurden.

Bild: Franziska Schmuck

Bald keine Ku(h)ltur?

Immer öfter verbleiben Kühe ganzjährig, weil arbeitssparend, im Stall - gehört der Anblick weidender Kühe in den Tälern bald der Vergangenheit an?

 
 

Hohe Erträge im Talboden

Bild: Alfred Fendt
Die maschinell zu bewirtschaftenden, ertragreichen Flächen im Talgrund wurden stark intensiviert: Entwässerung, Einebnung, Grundzusammenlegung und Düngung ermöglichen höchste Erträge - vermindern aber landschaftliche Vielfalt und Artenreichtum.

Bildvergleiche:

Bild links: Sybille Hoffmann, Bild rechts oben: Manuela Sanders, Bild rechts unten: Alfred Fendt

Bedroht von allen Seiten

Blumenreiche Bergmähder, bunte Buckelwiesen und artenreiche Streuwiesen sind zweifach bedroht. Wird die landwirtschaftliche Nutzung aufgegeben, verbuschen sie. Werden sie entwässert, nivelliert oder gedüngt, verlieren sie ihre Artenvielfalt und damit ihren charakteristischen Reiz. Extensive Landwirtschaft ist zum Erhalt dieser Flächen unverzichtbar.

Alpwirtschaft

Auf der Alp...

Obwohl die Alpwirtschaft im Allgäu nach Einführung der Emmentalerkäserei gerade ihre Blütezeit erlebt hatte, wurden bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts viele hochgelegene Alpen aufgegeben. Seit einigen Jahrzehnten sorgen attraktive Förderprogramme für eine historisch eher ungewöhnliche Stabilität in der Bewirtschaftung der Allgäuer und Tiroler Alpen. Probleme bereitet seit einigen Jahren der Mangel an Jungvieh: Da im Tal ausreichend Flächen zur Verfügung stehen, werden Almen und Alpen für die Sömmerung des Viehs immer weniger benötigt.

Auch auf den Alpen wird das Personal knapper. Viele Flächen können nicht mehr im bisherigen Umfang gepflegt werden. Die heutigen schweren Rinderrassen sind weniger geländegängig als alte Haustierrassen. So werden abgelegenere und steilere Alpweiden kaum noch beweidet. Auf diesen Flächen kommen vermehrt Fichten und Weideunkräuter auf. Wird diese Entwicklung nicht gebremst, könnten langfristig auch Alpweiden in größerem Umfang verbuschen - der so charakteristische kleinflächige Wechsel zwischen Wäldern und blumenreichen Weiden ginge damit verloren.

Alpwege

Bei allen positiven Wirkungen der Alpwirtschaft - die Erschließung der Alpen mit zunehmend asphaltierten Alpwegen ist ein Eingriff in Naturhaushalt und Landschaftsbild, der sorgfältig abgewogen werden muss.

Bild: Herbert Stadelmann
Bau der Straße zur Erzbergalpe 1997.
Bild: Julia Wehnert
Beispiele, wie die Sennalpe(!) Willersalpe oberhalb des Hintersteiner Tals zeigen, dass eine vorbildliche Bewirtschaftung auch ohne Zufahrt möglich sein kann.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Bildvergleiche:

Bergwald

Wald auf dem Vormarsch

Der Wald im Alpenraum seit Jahrzehnten entgegen weit verbreiteter Meinungen auf dem Vormarsch. Da von Natur aus bis zur Baumgrenze (ca. 1800 m) nahezu flächendeckend Wald wächst, erobert sich der Wald sein Gebiet zurück, sobald landwirtschaftliche Flächen aufgegeben werden. Im südlichen Oberallgäu nahm die Waldfläche in den vergangenen 20 Jahren zwischen 10% und 15% zu. Vor allem auf ehemaligen Mähwiesen breitet sich seither "Wildnis" aus. Im Vergleich zu dieser natürlichen Verbuschung (Sukzession) spielen aktive Aufforstungen nur eine untergeordnete Rolle.

Bildvergleiche:

Schutzwälder

Ein naturnaher Bergwald bietet Schutz vor Lawinen, Muren und Hochwasser und ist Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Die Pflege und Sanierung von Schutzwäldern hat für die Menschen im Alpenraum höchste Priorität.

Bildvergleich:

Bild: Markus Pingold

Ich glaub ich steh im Wald...

Oft können Bergwälder den Verlust besonders wertvoller Berg- und Streuwiesen als Lebensraum bedrohter Tier- und Pflanzenarten nicht ersetzen. Wanderwege und Aussichtspunkte verlieren an Attraktivität, wenn der Ausblick nur noch bis zum nächsten Baum reicht.

Bildvergleich:

Windwürfe und Borkenkäfer

Bild: Richard Berktold
Windwurf am Ornach bei Oberjoch 1990
In den vergangenen Jahren wurden Fichtenforste großflächig Opfer von Windwurf und Borkenkäferbefall. Im Tannheimer Tal waren davon zwischen 1990 und 2004 etwa 750 ha Wald (17% der gesamten Waldfläche!) betroffen. Windwurf- und Borkenkäferflächen bilden auffällige Narben in der Landschaft, allerdings auch Chancen: Oftmals wachsen hier an Stelle der ehemaligen Fichtenforste Mischwälder nach. So sind heute im Bereich des ehemaligen Forstamtes Sonthofen zwei Drittel aller jungen Bäume Laubhölzer. Vor 17 Jahren waren es nur halb so viele.

Bild: Richard Berktold
Borkenkäferkalamität an der Rotspitze

Bildvergleich:

 
 
 
 
 
 

Siedlungen

Expansion der Siedlungen

Mit rasanter Geschwindigkeit expandieren Siedlungen auf fruchtbaren landwirtschaftlichen Böden und verändern das Gesicht der Täler. Mehr und mehr Menschen wohnen in Ein- und Zweifamilienhäusern, immer größer wird die beanspruchte Wohnfläche pro Person. Dazu kommen Ferienwohnungen, Hotels und Zweitwohnsitze. Die Siedlungsfläche im südlichen Oberallgäu nahm zwischen 1980 und 2000 um fast 40% zu, während die Einwohnerzahl in dieser Zeit nur um 5% anstieg.

Bildvergleiche:

Bild: Dominic Kaiser
Hotels in der Gemeinde Tannheim. Mit dem aufkommenden Massentourismus wurden in den 1960er Jahren auch außerhalb geschlossener Ortschaften Hotelbauten genehmigt.

Siedlungswellen

Nach dem zweiten Weltkrieg musste für viele Umsiedler, die während des Krieges im Oberallgäu und im Tannheimer Tal eine neue Heimat gefunden hatten, Wohnraum geschaffen werden. Ab Mitte der 1960er Jahre wuchsen die Siedlungsflächen durch den beginnenden Massentourismus. Hotels, Zweitwohnsitze und Wohnhäuser sorgten für den größten Zuwachs an Siedlungen, den die Region bislang erfahren hat.

Der Trend zum Einfamilienhaus ab Beginn der 1980er Jahre, oft verbunden mit dem Bau von Ferienwohnungen zur Refinanzierung, ließ die Siedlungsflächen weiter wachsen. Heute ist Bauland knapp. Vielerorts gibt es kaum noch Flächen, die raumplanerisch geeignet und sicher vor Naturgefahren sind. Dennoch ist der Flächenverbrauch für Siedlungen seit 1980 bis heute (2000) ungebremst.

Vereinödung und Zersiedlung

Zwischen 16. und 19. Jahrhundert lagerten die Allgäuer Bauern viele Bauernhöfe aus geschlossenen Ortschaften aus, um einerseits ihre persönliche Freiheit zu erhöhen und andererseits die Bewirtschaftung der umliegenden Flächen zu erleichtern. Diese Einödshöfe bilden heute einen charakteristischen Bestandteil der Allgäuer Kulturlandschaft - und gleichzeitig eine erhebliche Gefahr für eine fortschreitende Zersiedelung, wenn nicht zurückhaltende Baupolitik ein Anwachsen der Einzelhöfe zu umfangreichen Streusiedlungen verhindert.

Bildvergleich:

Verstädterte Alpendörfer

Die Siedlungen dehnten sich nicht nur aus - sie veränderten auch ihr Gesicht. Auch in kleinen Dörfern wird heute jede Straße beleuchtet, Flächen werden für verbreiterte Verkehrswege undParkplätze asphaltiert, Hotels und neue Baustile verändern das Ortsbild. Regionale Baustoffe wie Holz oder auch Fassadenverkleidungen wie Holzschindeln werden von Ziegelbau und Mauerputz in Einheitsbauweise abgelöst.

Bildvergleich:

Verkehr

Bild: Markus Pingold
Heute prägt längst die Infrastruktur für den Tourismus die Landschaft - auch durch Großparkplätze wie hier bei Hinterstein.

Die Alpen kommen unter die Räder

Mit jedem Ausbau der Zufahrtsstraßen in Iller-, Ostrach- und Tannheimer Tal wächst auch die allsonntägliche Blechlawine. Zur innerörtlichen Entlastung wurden daher Ortsumgehungen gebaut. Mit weiteren Straßenausbauten, Leitplanken, Unterführungen und Fußgängerüberwegen wurden Gefahrenstellen entschärft - aber auch Landschaft weithin sichtbar verändert.

Während sich Schadstoffe in engen Alpentälern konzentrieren, breitet sich Verkehrslärm hier wesentlich weiter aus als in der Ebene. Doch wer will in einem Luftkurort Feinstaub atmen, wer will im Urlaub Autolärm hören?

Bildvergleiche:

Bild: Manuela Sanders
Auch dieser landwirtschaftliche Weg bei Unterjoch soll asphaltiert werden.
Neue Wirtschaftwege erschlossen land- und forstwirtschaftliche Flächen an Hängen, viele Wege im Talboden wurden asphaltiert. Ein geradliniges Netz breit ausgebauter Straßen überzieht heute die Talböden und -hänge. Fahrwege erleichtern die Bewirtschaftung vieler Flächen erheblich: Nicht jeder Weg muss aber breit ausgebaut und asphaltiert werden!

 
 
 
 
 
 

Tourismus

Tourismus - Lebensgrundlage der Region

Etwa eine Million Touristen verbringen jedes Jahr ihren Urlaub im südlichen Oberallgäu und im Tannheimer Tal. Mit fast sechs Millionen Übernachtungen bildet der Tourismus das mit Abstand wichtigste wirtschaftliche Standbein der Region. Viele UrlauberInnen kommen wegen der in ihren Augen "intakten" Landschaft.

Verantwortung für die Landschaft

Bild: Alfred Fendt
Kunstschneepiste bei Ofterschwang.
Tourismus lebt von der Landschaft - und gestaltet die Kulturlandschaft selbst mit. Hotels verändern und erweitern die Siedlungen, Straßen und Parkplätze werden ausgebaut, um die Verkehrsmassen auffangen zu können, Golfplätze werden eingerichtet, Speicherteiche, Skilifte und -abfahrten reichen bis in die höchsten Bergregionen. Weil touristische Infrastruktur oft in freier, wenig beeinträchtigter Landschaft gebaut wird, trägt der Tourismus eine besondere Verantwortung für den Landschaftsschutz - auch um nicht die eigenen Grundlagen zu beeinträchtigen.

Wintersport

Bild: Julia Wehnert
Bau des Speicherteichs für die Beschneiungsanlage im Jahr 2005.
Im Jahr 2004 investierten die Allgäuer Bergbahnen etwa 15 Mio. Euro in den Ausbau der Infrastruktur. Die touristische Bedeutung des Alpinskitourismus wird allerdings oft überschätzt: Nur etwa 22 % der Winterurlauber im Tannheimer Tal gehen zum Alpinskifahren, während über 3/4 der Gäste zum Skilanglauf und Winterwandern kommen. Zukünftig wird die Bedeutung des Alpinskifahrens weiter sinken. Die Urlaubsgäste werden immer älter und in Folge der Klimaerwärmung werden Skigebiete unter 1500 m kaum mehr (kunst-)schneesicher sein.

 
 

Bildvergleiche:

Fließgewässer

Gefahren der Wildbäche

Vor dem Eingreifen des Menschen waren die Talböden von Iller-, Ostrach- und Tannheimer Tal in weiten Bereichen sumpfige Auelandschaften, die immer wieder überschwemmt wurden und weder Siedlungen noch ackerbauliche Nutzung zuließen. Die ersten Siedlungen wurden daher oft auf erhöhten Schwemmfächern von Seitenbächen gegründet. Immer wieder waren sie auch dort von Naturkatastrophen bedroht, wenn nach extremen Niederschlägen die darüber liegenden Wildbäche anschwollen.

Bild: Wasserwirtschaftsamt Kempten
Wildbachverbauung um 1900.
Bild: Anja Burkhardt
Großtechnische Wildbachverbauung an der oberen Stillach.
Frühzeitig wurden die Wildbäche verbaut, um die Naturgefahren einzudämmen. Die Verbauung bedeutete aber immer auch erhebliche Eingriffe in den Naturhaushalt.

Fließgewässer in den Talauen

Bild: Dominic Kaiser
Berger Ache
Um die Hochwassergefahr in den Talauen zu vermindern, wurden auch dort die Fließgewässer umgestaltet und eingedeicht.

Durch die Begradigungen der Flüsse wurden landwirtschaftliche Flächen gewonnen und die maschinelle Bewirtschaftung erleichtert. Mit umfangreichen Drainagen wurden die oft nassen Wiesen der Talböden großflächig entwässert. Die Maßnahmen wurden als Kulturlandgewinn gefeiert. Aber mit dem Verschwinden der bislang frei mäandrierenden Bäche und blütenreichen Feuchtwiesen nahm sowohl das Wasserrückhaltevermögen der Täler als auch die Vielfalt der Kulturlandschaft ab.

Die Begradigung und Vertiefung der Flussbetten von Berger Ache und Vils führten zusammen mit den umfangreichen Drainagemaßnehmen zwischen 1943 und 1958 zu einer großflächigen Entwässerung des Tannheimer Tals.

Hochwasserschutz in Zeiten des Klimawandels

Durch den (menschlich verursachten) Klimawandel werden zukünftig vermehrt Extremwetterlagen erwartet, die starke Hochwässer zur Folge haben. Auf das "Jahrhunderthochwasser" an Pfingsten 1999 folgte bereits im August 2005 ein Hochwasser, das statistisch nur alle 300 Jahre auftreten sollte. Um die Hochwasserspitzen besser auffangen zu können, werden vielerorts an der Iller Deiche zurückverlagert und Überschwemmungsflächen optimiert.

Bildvergleiche:

Bewertung

Kulturlandschaftswandel - na und?

Wie ist die Veränderung der Kulturlandschaft zu bewerten? So einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten. Denn die Funktionen der Landschaft sind vielschichtig. Landschaft ist eben nicht nur ein Spiegelbild des menschlichen Wirtschaftens. Landschaft ist auch Orientierung bietende Heimat, Lebensraum für Tiere und Pflanzen und Erlebnis- und Erholungsraum für Einheimische wie UrlauberInnen.

Unterschiedliche Brillen

Veränderungen in der Landschaft werden je nach Perspektive unterschiedlich bewertet: Wenn ein Landwirt die Nutzung einer extensiven Bergwiese am Hang einstellt, beklagen UrlauberInnen, dass gute Aussichtspunkte zuwachsen. Einheimische Landwirte bedauern den Verlust von Produktionsflächen. Naturschützer machen sich Gedanken über die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Förster denken eher daran, dass der aufkommende Wald - allerdings erst nach einer unter Umständen kritischen Übergangsphase - zusätzlichen Schutz vor Muren und Lawinen bieten kann, Holz produziert, Kohlendioxid speichert und Niederschläge aufsaugt.

Gemeinsame Herausforderungen

Übereinstimmend bereitet die Geschwindigkeit des aktuellen Wandels Sorge: Maschinen und Energie ermöglichen großtechnische Eingriffe, die die traditionelle "Handarbeitslandschaft" umgestalten. Wo kein Maschineneinsatz möglich ist, werden Flächen aufgegeben. Beide Entwicklungen - Rückzug aus den Ungunstlagen wie Intensivierung der Gunstlagen - führen vielfach zur Verminderung des kulturhistorischen, ökologischen und ästhetischen Werts der Kulturlandschaft - zum Bedauern von Tourismus, Naturschutz und Heimatschutz.